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Come to Finland
Publishing Ab Oy
Höyläämötie 3A Hyvlerivägen
FI-00380 Helsinki / Helsingfors

FINLAND

 

© Come to Finland
Publishing Ab Oy 2017

 

Lockruf aus dem Paradies?

Der Initiator der Ausstellung, Magnus Londen, verrät, warum Reiseplakate so faszinierend sind.

 

Worum geht es eigentlich in dieser Ausstellung?

Es geht um klassische Reiseplakate. Wir wollen zeigen, wie Finnland sich früher präsentiert hat – wie man Reisende in unser nordisches Land locken wollte.

Aha, aber was ist denn ein "Reiseplakat"?

Plakate waren das Internet jener Zeit. Man beauftragte einen Grafiker oder Künstler, ein attraktives Bild für das zu schaffen, was man "verkaufen" wollte. Das konnte Finnland als Ganzes sein, aber auch eine Stadt oder eine Region. Und dann dachte man sich noch einen wunderbaren Slogan aus wie Finland – Land of Romance oder Finland – For Wintersports.

Wie lockte man ausländische Touristen her?

Schauen Sie sich die Plakate an: fröhlich, bunt, witzig.

Aha, das hätte ich nicht gedacht … Finnland gilt doch als düster, dunkel und schweigsam …

Ha, ha, das ist nur ein Klischee. Die Plakate sind fast hundert Jahre alt, sie wurden lange vor unserer globalen Zeit geschaffen. Aber schauen Sie nur, wie international unsere Vorfahren waren: es gibt die Plakate auf französisch, schwedisch, deutsch, englisch und in vielen anderen Sprachen. Ich möchte behaupten, dass Finnland schon immer ein kosmopolitisches und offenes Land war.

Hm, darüber habe ich noch nicht nachgedacht.

Genau! Wir haben uns so daran gewöhnt, Finnland als ein zugeknöpftes und vergessenes Land zu sehen.

Okay, aber wie hat man die Reisenden hergelockt? Was war der Köder?

Die Natur. Die Stille. Finnland war Off the beaten track, d.h. abseits der ausgetretenen Pfade, ein unentdecktes Eldorado.

Was ist denn so besonders an unserer Natur?

Das fragen Sie nicht im Ernst?

Na ja, ich meine, in den 1930er Jahren gab es doch überall noch unberührte Natur?

Nein. Finnland galt damals – genau wie heute – als ursprünglich und echt, als ein unberührtes Paradies.

Und was war mit den Städten?

Unsere Städte wurden als unglaublich glamourös dargestellt. Zum Beispiel dieses Plakat für Helsinki von 1939: eine Dame trinkt Champagner(!) auf einer Restaurantterrasse(!) im Zentrum. Diese Champagnerdame war der Auslöser für Come to Finland.

Erzählen Sie mehr!

Es war eigentlich ein ganz normaler Tag, ich war unterwegs im Zentrum von Helsinki. Plötzlich blieb ich stehen: In einem Schaufenster hing ein Originalplakat aus den 1930er Jahren: Ein Dame nippt an einem Glas Champagner, im Hintergrund eine klassische Straßenbahn in Helsinki: Das ist Glamour. Das ist Entspanntheit. Das ist Stil. Genau so wollte ich mein Helsinki haben. Ich blieb also wie angewurzelt stehen und wusste, dass meine Zukunft entschieden war: Ich würde Plakatjäger werden. Ich würde sie alle finden. Zusammen mit meinen Kollegen Joakim Enegren und Ant Simons würde ich das erste Buch mit finnischen Reiseplakaten machen.

Damals wusste ich allerdings nicht, dass das Buch wiederum der Grundstein für ein Designunternehmen wurde, nämlich Come to Finland Publishing Ab Oy. Dass wir eines Tages Produkte mit klassischen finnischen Plakatmotiven in die ganze Welt verkaufen würden. Und dass wir eine große Ausstellung mit originalen finnischen Reiseplakaten zusammenstellen würden.

Die Ausstellung heißt "Lockruf aus dem Paradies", was soll das heißen?

Wir beziehen uns damit auf die positive und unschuldige Hybris, die aus den Plakaten spricht. Wenn man die Plakate beim Wort nimmt, sieht Finnland wirklich aus wie das Paradies. Wir finden das lustig und auch ein bisschen rührend. Andererseits muss man ein wenig frech sein und angeben, und es wird ja nett und unschuldig ausgedrückt – diese Art der Werbesprache gefällt uns bei Come to Finland ganz besonders.

Gibt es in der Ausstellung ein Lieblingsplakat?

Die Champagnerdame von Jorma Suhonen wird mir immer besonders am Herzen liegen. Das Originalexemplar in der Ausstellung ist übrigens mein eigenes, ich habe es von meinen Eltern zum 40. Geburtstag geschenkt bekommen. Anschauen, aber nicht anfassen, ha, ha! Daneben ist Osmo K. Oksanens Skijunge mein Lieblingsplakat. Er hat alles, was man im Leben braucht: einen Koffer, ein Paar Skier und das Abenteuer im Blick!

Von den Sommerplakaten ist Lake Saimaa – Lovliest in Finland von Paul Söderström und Göran Englund mein Favorit, denn ich verbringe meine Sommer in der mittelfinnischen Seenlandschaft, und dort es ist genau so harmonisch!

Gibt es auch Perlen unter den älteren Plakaten?

Da gibt es viele! Das Imatra-Plakat (das in Lappeenranta ist eine Kopie, wir bekommen später ein Original) von Akseli Gallen-Kallela ist das erste finnische Reiseplakat und wirklich ein Klassiker. Wir besitzen das älteste finnische Reiseplakat von 1893 im Original, es wirbt für eine Schifffahrtslinie zwischen Helsinki/Hanko und Lübeck. Es ist phantastisch, wie gut die Farben erhalten sind – bei einem "einfachen" Werbeplakat – und das seit über 130 Jahren.

Die Ausstellung enthält auch neue Plakate?

Genau! Wir wollten etwas Neues schaffen, einen neuen Boom für die Plakatkunst anstoßen. Wir haben also bei finnischen Grafikern und Künstlern zwölf neue Plakate in Auftrag gegeben. Ein Vergleich zwischen den neuen und den alten Plakaten ist sehr spannend. Die Natur und das Stadtleben locken noch immer!

Wie fanden die Künstler den Auftrag, neue Plakate zu entwerfen?

Es schien ihnen zu gefallen. Sie fanden den Auftrag ungewöhnlich und spannend. Und das fanden wir auch. Es war phantastisch, aus der Nähe mit zu verfolgen, wie ein Plakat entsteht. Wir stellen uns natürlich auch vor, dass die finnischen Plakatmeister von früher uns lobend auf die Schulter schlagen …

Ihr habt jetzt mehrere Jahre an dieser Ausstellung gearbeitet, ich muss also zum Schluss doch noch fragen: Wie fühlt es sich an?

Wie immer, wenn etwas Großes fertig ist – man ist einerseits glücklich und auch innerlich ein wenig leer. Wir hoffen, dass die Ausstellung den Besuchern Spaß macht und sie etwas Neues erfahren. Diese Plakate und ihre Künstler werden endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen!

Wie ist das gemeint?

Das ist finnisches Kulturerbe. Das wissen nur leider sehr wenige. Also kommen Sie mit auf die Reise in die wunderbare Welt der Plakate!